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mavida 03_2014

„W ir machen Bio aus Liebe“ lautet das Motto des Allgäuer Unternehmens Rapunzel Naturkost mit Sitz in Legau, das damit seit 40 Jahren für Le- bensmittel mit Öko-Siegel steht. mavida hat bei Gründer und Geschäftsführer Joseph Wilhelm, einem Bio-Pionier der ersten Stunde, zu gestern und heute nachgefragt: Warum sind Sie damals in die Bio-Nische eingestiegen? Wir hatten niemals das Gefühl, in eine Nische eingestiegen zu sein, da wir Rapunzel nicht aus einem Business-Plan heraus entwickelt haben. Damals war Bio kaum bekannt und Vollwerternährung steckte noch in den Kinderschuhen. Vielmehr hatten wir das Ziel, durch die Schaffung von ver- lässlichen Absatzwegen den Biolandbau weltweit zu fördern und gleichzeitig einen Beitrag zu einer vollwertigen und gesunden Ernährung unserer Mitmenschen zu leisten. Bio- landbau und -lebensmittel waren und sind unser ureigenstes inneres Anliegen. Wie schwer waren die Anfänge und wie sehr hat sich das Segment Bio seither verändert? Jede Phase einer Entwicklung bringt ihre eigenen Herausfor- derungen mit. Knappe Finanzen und nicht ernst genommen zu werden waren zwei wesentliche Punkte in der Anfangs- zeit. Bio ist seitdem aus den Kinderschuhen herausgewach- sen, doch mit 4 Prozent Marktanteil am gesamten Lebens- mittelumsatz handelt es sich immer noch um eine Nische. Hin zu „Bio für alle“ ist es noch ein langer Weg. Unsere Umwelt hätte sicherlich eine schnellere Entwicklung verdient. Wird der aktuelle Bio-Trend das Konsumverhalten nachhaltig verändern? Trends kommen und gehen, mit Bio ist das anders. Wenn wir Menschen unsere (Ernährungs-)Gewohnheiten nicht aus freien Stücken ändern, werden Ressourcenknappheit und Umweltprobleme uns dazu nötigen. Die Biolandwirt- schaft hat bewiesen, dass es möglich ist, die Menschheit ausreichend und nachhaltig mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. Wie sieht für Sie der ideale Lebensmittelkonsum aus? Was wünschen Sie sich diesbezüglich für die Zukunft? Meine Vorstellung von der idealen Ernährungsform der Menschheit baut vor allem auf Vollwertigkeit und Bio. So wird über den Anbau die Umweltbelastung mit Agrarchemie sowie Kunstdünger reduziert und Ernte- und Transportverluste werden vermieden. Fleisch und andere tierische Produkte sollten nur einen geringen Anteil ausmachen und auf keinen Fall mit gen- technisch verändertem Eiweißfutter aus anderen Erdteilen erzeugt werden. Bio in Europa Seit Jahren liefert sich Europa ein Kopf-an-Kopf- Rennen mit den USA um den weltweit größten Bio-Markt. Laut Bund ökologische Lebens- mittelwirtschaft (BÖLW) ist der europäische Markt im Jahr 2008 um mehr als 10 Prozent auf 17,9 Mrd. Euro gewachsen. Deutsch- land erzielte mit 5,85 Mrd. Euro den größten Umsatz, gefolgt von Frankreich (2,59 Mrd. Euro), Großbritannien (2,59 Mrd. Euro) und Italien (1,97 Mrd. Euro). WIE GEHT ES WEITER? L aut Bundesverband Naturkost Naturwa- ren (BNN) e.V. wächst der Umsatz mit einer Gesamtsteigerung von 8,9 Prozent im ersten Halbjahr 2014 weiterhin deutlich an. „Mit knapp 700 Millionen Euro Umsatz in den ersten sechs Monaten hat der Naturkost-Großhandel erneut ein beeindruckendes Ergebnis geliefert“, freut sich BNN- Geschäftsführerin Elke Röder. „Trotzdem besteht kein Grund zum uneingeschränkten Optimismus, denn be- reits jetzt wird ein nachhaltiges Wachstum durch externe Rahmenbedingungen behindert. Vor allem die massive Besetzung von Landbauflächen für die Biogasproduk- tion stellt ein enormes Problem für die ökologische Lebensmittelwirtschaft dar. Hier müssen die politischen Verantwortlichen ebenso dringend tätig werden, wie in der Frage der Totalrevision der Öko-Verordnung, die auf EU-Ebene vollumfänglich gestoppt werden muss. Werden die Weichen nun nicht richtig gestellt, kann der Ökolandbau nicht mit der Entwicklung Schritt halten.“ Joseph Wilhelm, Gründer und Geschäftsführer von Rapunzel Naturkost Im Interview Fotos:©AgnesKantaruk,CGissemann,ChristianJung,CoraMueller,Goodluz,LENAGABRILOVICH, Picsfive,RoyStudio.eu,SeaWave,sematadesign,AKaiser/Shutterstock.com/Shutterstock.com

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